Migränekunst-Ausstellungen

Überblick

Von Anfang an war die Migränekunst-Sammlung nicht als verschlossenes Archiv gedacht, sondern als lebendige Ausstellung, die sowohl der Ärzteschaft als auch der Öffentlichkeit die tiefgreifenden Auswirkungen der Migräne vermitteln sollte. Ausgewählte Werke der wachsenden Sammlung reisten zu medizinischen Zentren, Galerien und Kultureinrichtungen auf drei Kontinenten und ließen Tausende Menschen das visuelle und emotionale Zeugnis von Migränebetroffenen erleben.

Die erste Ausstellung wurde am 1. Juli 1981 in der City of London Migraine Clinic eröffnet, mit Dame Vera Lynn als Gast. Im Anschluss an die Preisverleihung präsentierten Postgraduate Medical Centers im ganzen Land Werke der Migränekunst und brachten sie damit Ärzt:innen und Studierenden nahe. 1987 zeigte die Headache Research Foundation am Faulkner Hospital in Boston eine umfangreiche Ausstellung mit dem Titel „The Art of Migraine“ – der Beginn einer dauerhaften transatlantischen Auseinandersetzung mit der Sammlung.

Dame Vera Lynn und Derek Robinson bei der ersten Migränekunst-Ausstellung, London 1981

Ausstellung „The Art of Migraine“, 1987

Die bedeutendste frühe Ausstellung außerhalb Großbritanniens fand 1991 statt: Eine Auswahl von 90 Werken der Migränekunst wurde unter dem Titel „Mosaic Vision“ am Exploratorium in San Francisco gezeigt. Diese Ausstellung erwies sich als transformativ. Oliver Sacks, der renommierte Neurologe und Autor des grundlegenden Buches „Migraine“, besuchte die Ausstellung und reiste anschließend in Derek Robinsons Büro in Bracknell, um die vollständige Sammlung zu sehen. Die Begegnung beeinflusste Sacks’ Denken tiefgreifend und führte dazu, dass er dreizehn Bilder aus der Migränekunst-Sammlung in die 1992 überarbeitete Auflage seines Buches aufnahm – und Migränekunst damit ein weltweites Publikum erschloss.

Oliver Sacks und Derek Robinson bei „Mosaic Vision“, San Francisco Exploratorium, 1991

Die Ausstellungen erfüllten auch eine wesentliche Funktion innerhalb der Gemeinschaft der Betroffenen selbst. Besucher:innen drückten immer wieder aus, wie sehr das Sehen bildlicher Darstellungen fremder Migräneerfahrungen sie entlastete – das Gefühl, nicht allein zu sein, sondern dass ihre Symptome geteilt und verstanden werden. Eine Besucherin der Ausstellung in San Francisco schrieb: „Ich war absolut überwältigt, diese Bilder davon zu sehen, wie die Welt aussah, wenn ihre Aurastörungen passierten – genau das hatte ich immer beschreiben wollen! Wir sind nicht allein.“

In den 1990er und 2000er Jahren breiteten sich die Ausstellungen international aus. Deutschland zeigte 1997 seine erste Migränekunst-Ausstellung an der Abteilung für Neuropädiatrie in Oberhausen. 2004 wurde im norwegischen Skien eine Gedenkausstellung für Derek Robinson eingerichtet, begleitet von einem Symposium mit führenden Forschenden. 2003 eröffnete in Rom die Ausstellung „ARTeMICRANIA: Migraine Art – Works and Words Between Headache and Metaphysics?“, in der Werke der Sammlung neben einer bemerkenswerten Auswahl von 18 Ölgemälden und vier Kalligraphien Giorgio de Chiricos gezeigt wurden. Weitere Ausstellungen folgten in Salt Lake City, an Orten in Nordamerika und Europa sowie in digitalen Galerien.

Diese Ausstellungen verwandelten Migränekunst von einem medizinischen in ein kulturelles Phänomen. Sie zeigten, dass Betroffene über künstlerische Handlungsmacht verfügen, dass ihr Ausdruck öffentliche Aufmerksamkeit verdient – und dass Kunst Aspekte der Erkrankung vermitteln kann, die die klinische Sprache allein nicht erreicht.

ARTeMICRANIA-Ausstellung