Hildegard von Bingen (1098–1179)

Überblick

Hildegard von Bingen war eine Benediktinerin, Komponistin und Visionärin des 12. Jahrhunderts, deren illuminierte Handschrift Scivias religiöse Visionen festhält, die die moderne Neurologie als typisch für die Migräneaura einordnet. Ihre Schilderungen von „Lichträdern“, fallenden Sternen und leuchtenden visuellen Phänomenen, denen sich heutige Migräneforschung anschließt, haben sie zu einem Schlüsselfall im Verständnis der Berührung von Mystik und Neurologie gemacht.

Hildegard von Bingen

Hildegards Visionen waren nicht bloß geistliche Erfahrungen, sondern enthielten die charakteristischen visuellen Störungen der Migräneaura: flimmernde Muster, geometrische Formen und leuchtende Streifen. Oberstleutnant R. H. Elliot wies 1932 darauf hin, dass mittelalterliche Mystiker:innen ohne medizinisches Wissen diese neurologischen Phänomene als göttliche Offenbarung deuten würden. Die strahlenden Blitze, Halos und sich drehenden Lichträder, die Hildegard in ihren Illuminationen festhielt, entsprechen eng den visuellen Mustern, die heutige Migränepatient:innen berichten.

Ihr Fall ist eines der frühesten und am gründlichsten dokumentierten Beispiele einer historischen Persönlichkeit, deren künstlerisches und spirituelles Schaffen unmittelbar mit Migräneerfahrungen verbunden sein könnte. Oliver Sacks und nachfolgende Neurolog:innen haben ihr Werk als Beleg dafür gelesen, dass die Migräneaura die mystische Erfahrung nicht entkräftet, sondern sie womöglich ermöglicht hat – indem sie den Rohstoff der Vision lieferte, den ein kontemplativer Geist in Theologie und Kunst verwandelte.

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