Überblick
Salvador Dalí, der surrealistische Meister, bekannt für seine „paranoisch-kritische Methode“ und seine traumhaften, fließenden Formen, gilt manchen Beobachter:innen als wahrscheinlicher Migränebetroffener. Sein bekanntestes Werk, Die Beständigkeit der Erinnerung (1931) mit den berühmten weichen, herabhängenden Uhren, soll in einer Phase entstanden sein, in der er mit migränebedingten Albträumen rang.

Einem Bericht zufolge kam die Inspiration nach dem Abendessen während eines Migräneanfalls beim Anblick weichen, zerlaufenden Camemberts. Dieser anekdotische Hinweis legt nahe, dass Migränezustände zur traumhaften Qualität und zur zeitlichen Verzerrung beigetragen haben, die für den Surrealismus zentral sind. Die Weichheit, die Fluidität und die wahrnehmungsfremde Sonderbarkeit seiner Formen entsprechen Beschreibungen, wie die Migräneaura räumliches und zeitliches Erleben verwandelt.
Auch wenn eine ärztliche Migränediagnose für Dalí – anders als bei manchen anderen Künstler:innen – nicht belegt ist, bleibt die Übereinstimmung seines surrealistischen Vokabulars mit der Phänomenologie der Migräne gedanklich überzeugend. Sein Werk steht beispielhaft für das surrealistische Programm, nicht-rationales Bewusstsein zu erschließen – ein Programm, das Migräne mit ihren Veränderungen von Wahrnehmung und Bewusstsein materiell ermöglicht.
